Der dunkle Ritter steht auf, und alle so: „Yeah“. „The Dark
Knight Rises“ ist so ätzend, dass ich nie wieder einen Film von Christopher
Nolan gucken werde.
Wann hört es endlich auf, das vom Fanboy infizierte Mainstream-Kino,
das eigentlich gar kein Mainstream ist? Vom Leben abgewandt, dreht es sich um
zutiefst uninteressante Fragen, bewegt sich in Kategorien, die es ihm nie
erlauben, über sich selbst hinauszuwachsen – aber da will dieser Langweiler
auch gar nicht hin: jenseits von sich selbst. Er ist so ermüdend, dieser
Entwurf von Kino. Dazu gehört auch das Gemecker und die ganze Klugscheißerei derjenigen
Kritiker, die Teil davon sind.
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| This mess... |
Wieso muss es darum gehen, wie die Stimme eines
Superschurken klingt? Wieso sich darüber auslassen, dass die Politik des Films
unklar ist? Wieso interessiert, wie Bruce Wayne aus einem Wüstenknast wieder
ins besetzte Gotham gekommen ist? Wieso geht es bloß um innere Logik? Wieso
bloß darum, ob ein Film funktioniert? Und wieso kann dieses poesiebefreite Kino
mit seiner „Spoiler-Politik“ unsere Sprache lenken? Wieso legt sich eine Armada
von Jünglingen dafür ins Zeug, dass dieser Film, ausgerechnet dieser(!), eine
100%-Wertung bei der Filmentsaftungsstelle Rotten Tomatoes bekommt? Warum ist
das wichtig? Und woher kommt der Zwang, dass Nolans (Batman-)Filme unbedingte Bedeutungshoheit
beanspruchen müssen?
Wie wir zum Teil schon wissen, ist das „This Mess We're All In Now”, und Nolan ist bloß einer von vielen. (Wieso fragen wir einen
offensichtlich etwas verwirrten alten Mann wie Ridley Scott, was das alles
bedeutet, das Universum, das Leben und der ganze Rest?) Die Ernsthaftigkeit
mit der das Nichts hinter einem Film wie TDKR
aufgepumpt wird, dient als Gewinnmaximierungsmaschine der Studios. Die
Filmstudios verkaufen zurzeit keine Unterhaltung sondern Bedeutung. Und der
Zuschauer macht mit. Denn durch den Diskurs macht das Kapital den Bürger zu
einem Komplizen, der sich gegen sich selbst stellt. Wie hinterhältig: Er gibt
sich selbst auf, stellt sich in den Dienst der Maschine und denkt, es fände
gerade kultureller Austausch statt. Durch einen Brainport lädt er die Maschine
nach bestem Wissen und Gewissen mit Bedeutung auf. Denn Bedeutung ist ihr, und
so auch sein, wichtigster Treibstoff. Wenn ihm sein eigenes Komplizendasein
aufgeht, wenn er einen Blick auf die unfassbar absolute Leere des aufgepumpten
Nichts erhascht, entsteht der Reflex, diesen Riss mit noch mehr
Bedeutungssilikon zu kitten, weil das Akzeptieren davon, dass da nichts ist,
keine Option ist. Ein Symptom dieses Vorgangs ist der Shitstorm, und er wendet sich entweder in die eine Richtung („100%
bei Rotten Tomatoes!“) oder in die andere („Ich werde nie wieder einen Film von
Christopher Nolan gucken.“). Unendlicher Spaß.
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| ...we're all in now. |
Die Frage muss sein, wie man diesen ganzen Schwachsinn wieder aus den Köpfen bekommt. Von welcher Struktur ist das Bedeutungssilikon? Wie soll man damit umgehen, dass man sich gegen etwas richten soll, das einem eigentlich als gut erscheint? Nämlich dem Spiel mit Bedeutungen, dem Cut-up, dem Remix (= Prequel, Sequel, Remake, Reboot, Spin-Off). Wie kann sich so viel Leidenschaft irren? Und wie kommt der Spaß zurück in die Popkultur?
Fest steht, dass der Kino-Mainstream mich schwer frustriert. Dark Knight, Avengers, Prometheus, Spider-Man, Total Recall, Bourne. Aber auch Apatow, Sandler, MacFarlane. Und demnächst: noch mehr Fortsetzungen! Und Tom Cruise als Jack Reacher! Vielleicht ist jetzt der Moment gekommen, den Zirkus zu verlassen und diese Clowns sich selbst zu überlassen. Vielleicht ist jetzt an der Zeit, endgültig zu den Nebenschauplätzen auszuweichen: „Hallo, Hal Hartley! Schon gehört?“ – „What.“ – „Der dunkle Ritter steht auf.“ – „What?“ – „Ach... Es ist egal.“
Der Text erschin zuerst im August 2012 beim Affektblog.

