USA 1998, 120 min., Regie: John Dahl, Buch: Davied Levien, Brian Koppelman
Als der Pokerspieler Mike McDermott (Matt Damon) in einem Spiel gegen den Mafioso Teddy KGB (John Malkovich) sein gesamtes Vermögen verliert, lässt er das Pokern sein und folgt seiner Freundin Jo (Gretchen Mol) an die Law School. Doch als sein alter Freund Lester „Worm“ Murphy (Edward Norton) aus dem Gefängnis entlassen wird, bittet der seinen Buddy um ein, zwei „Gefallen“ und Mike gerät erneut in den Sog des Spieles.
Wenn man Mike glauben darf, ist Pokerspieler ein Job wie viele andere: Es geht nicht ums Spielen und auch erst recht nicht um Spaß – es geht ums Geld verdienen. Mit markigen Worten führt er uns ahnungslose Debütanten in seine romantisierte Spieler-Welt ein: „Listen, here’s the thing. If you can't spot the sucker in your first half hour at the table, then you are the sucker.“ Tougher als Pokerspieler sind höchstens noch Mobster und Privatdetektive, einsamer nur Trucker und Trompetenspieler.
Für Mike ist Gewinnen beim Poker keine Frage des Glücks, sondern der Selbstbeherrschung und des Könnens. Nüchtern entschlüsselt er die Absichten seiner Gegenspieler, beobachtet ihre Manierismen, erschließt kühl deduktiv das Blatt in ihrer Hand oder entscheidet den Ausgang des Spieles schon gleich im Vorfeld durch die bloße Wahl seiner Gegner. Matt Damon gibt dieses Wunderkind mit knollig jungenhaftem Gesicht ähnlich wie in „Good Will Hunting“ irgendwo zwischen Arbeiterklassenheld und Hochbegabtenstipendiat und probiert sich einmal mehr im Nichtagieren: Sein Pokerface ist eine Fassade der Unlesbarkeit, eine Unterdrückung von Kommunikation und Erzählung. Ganz anders sein Buddy „Worm“, der unermüdlich falsche Fährten legt und lieber seinem Talent im Verführen, Ablenken und Ausnehmen vertraut, als auf das Blatt in seiner Hand. Ein Teufel, gegen den man schon verloren hat, sobald man seinem charmanten Gebrabbel zuhört.
John Dahl stellt diese beiden Figuren nun in eine etwas zugebaute, vom Neo-Noir seiner früheren Filme inspirierte Welt und versucht so, dem arg streberhaft geratenen Drehbuch Verlebtheit einzuhauchen. Dabei kann einen das Gefühl beschleichen, dass er nach einer Gebrochenheit in seinen Figuren schielt, die diese einfach nicht erfüllen wollen. Da wird immer mal wieder nachts mehr oder weniger verzweifelt neben dick dampfenden Kanaldeckeln vor geschmackvoll goldbraun ausgeleuchteter Stadtkulisse gestanden, umspült von poliertem Bar-Jazz. An einer Stelle stolpert Famke Janssen etwas orientierungslos in das Zimmer von Mike, als wäre sie geradewegs aus „The Last Seduction“ entsprungen, und versucht sich als Femme fatale in Noir-Rhetorik. Aber ein wahrhaft ernsthafter Pokerspieler wie Mike – wie auch das Skript selbst – hat für solch abenteuerlichen Überschuss freilich keinen Sinn und lässt sie lieber für einen Flush stehen. „Rounders“ hatte nie einen Kinostart in Deutschland und ist im Rahmen dieser Werkschau erstmals in Hamburg zu sehen.
Der Text wurde 2015 von der Kinemathek Hamburg e. V. im Programmheft zu einer Werkschau des
Schauspielers Edward Norton veröffentlicht.