USA 2002, 109 min., Regie: Danny DeVito, Buch: Adam Resnick, Produktion: Doug Davison, mit: Robin Williams, Catherine Keener, Edward Norton, Danny DeVito, Todd Graff
Der Kleinkünstler Sheldon Mopes (Edward Norton) wird von der Fernsehproduzentin Nora Wells (Catherine Keener) engagiert, um den korrupten Kinderstar Rainbow Randolph (Robin Williams) zu ersetzen. Entgegen aller Erwartungen wird seine Sendung um Smoochy the Rhino zum Hit. Doch Mopes‘ Idealismus wird auf eine harte Prüfung gestellt, als er dank des dubiosen Managers Burk Bennett (Danny DeVito) zum Chef der eigenen Sendung wird.
Der Weltentwurf in Death to Smoochy ähnelt einem Fleischwolf: Oben wird das goldene Herz des schmerzhaft optimistischen Sheldon reingedrückt und durch ein gigantisch zynisches Mahlwerk gedreht, dessen endloses Malmen dann von Danny DeVito genüsslich in großer Pseudo-Broadway-Geste über die Leinwand geschmiert wird. Mit abgebrüht dick gepinseltem Comic-Strich manövriert sich der Regisseur souverän in die Selbstgefälligkeit und verzapft eine bemühte Satire über die Hinterzimmerpolitik von Fernsehanstalten. Vielleicht versteht es sich daher von selbst, dass Edward Norton die psychotische Gutmütigkeit seiner Figur wie einen verhärteten Schutzschild vor sich trägt, um sie vor Zynismus und Korruption abzuschirmen.
Aber als schwarze Komödie ist das in seinen besten Momenten psychedelischer Telekitsch, der verwirrt genug ist, um unterhaltsam zu sein. In Robin Williams‘ überdrehtem Rainbow Randolph bricht sich Verzweiflung, Böswilligkeit und Wahnsinn ungezügelt Bahn und ergibt vielleicht den besten schlechten Auftritt des kürzlich verstorbenen Enigmas. An einer Stelle lockt er, ausgestattet mit falschem Bart und Fantasieakzent, seinen Erzfeind Sheldon unter dem Vorwand, dieser solle für die „Parents for Decency in Children’s Television” spielen, auf eine Bühne – die Veranstaltung entpuppt sich als gewaltiges Neonazi-Treffen, und der Kinderstar findet sich unter „Heil Smoochy“-Rufen unfreiwillig neben gigantischen Hakenkreuzbannern singend wieder, während die Polizei den Laden räumt.
Neben Nortons und Williams‘ exaltiertem Spiel ist Catherine Keener ein anderer guter Grund, sich Death to Smoochy doch einmal im Kino zu geben (nach Deutschland schaffte es der Film 2003 nur auf DVD). Sie findet das Drama inmitten von missglückter Satire und hyperventilierender Komödie, kann als menschliche Vermittlerin zwischen den beiden Karikaturen Williams und Norton scheinbar nicht anders, als wahrhaftig und unverstellt zu agieren. „Sincerity is an easy disguise. It's hard to know who's on the level“, erklärt sie als verhärtete Fernsehproduzentin Nora Wells an einer Stelle die eigene Entfremdung. Keener selbst jedenfalls legt eine Aufrichtigkeit in ihr Spiel, die sich auch von dem hermetischen Zynismus Danny DeVitos nicht korrumpieren lässt, und überstrahlt als heimliches Zentrum des Films dessen angestaubt augenzwinkernden Big-Band-Jazz auf Plastiktröten.
Der Text wurde 2015 von der Kinemathek Hamburg e. V. im Programmheft zu einer Werkschau des
Schauspielers Edward Norton veröffentlicht.