Der Film strotzt nur so vor abgeklärten Bescheidwissern, Insidertum und hat zudem einen sozial dysfunktionalen Helden. Und doch will Slacker Scott Pilgrim nur das Eine: Die naive Liebe und die coole Ramona für sich gewinnen. Um an sie heranzukommen, muss er allerdings erst ihre sieben bösen Exfreunde in vorzüglich choreografierten Kämpfen besiegen und sich von seiner lästigen, uncoolen Teenager-Freundin trennen. Begleitet wird er dabei von der Band Sex Bob-Omb, in der er eher schlecht – dafür voller Inbrunst – Bass spielt und seinem schwulen, extrem ausgeglichenen und lebensweisen Mitbewohner Wallace (grandios: Kieran Culkin).
Dennoch gelingt es den Machern, den Eindruck einer äußerst stimmigen, wenn auch wahnsinnig schnellen, bisweilen überfordernden Collage zu erzeugen. Ohne Rücksicht auf eine konsistente Weltkonstruktion – Scott Pilgrim ist in diesem Sinne quasi Anti-Cameron – stimmt „anything goes“ hier tatsächlich mal. Was der Film dadurch hervorragend schafft, ist, die Art und Weise widerzuspiegeln, mit der sich jüngere Generationen der Zeichenwelt ihrer Vorgänger bemächtigen, mit der sie existierende Codes übernehmen und neu besetzen. Und entweder du verstehst es, bist dabei und einer von ihnen oder nicht. „We are Sex Bob-Omb!“, schreit die Drummerin. Will heißen: Seid ihr, liebes Publikum, mit uns oder denkt ihr an Tom Jones?
Natürlich ist das Zitat-Kino nicht unbedingt neu und dem Film wird seit der ersten Ankündigung von Hipstertum bis zum Ausverkauf des Nerds so einiges vorgeworfen. Ob man den Hype um Scott Pilgrim nun teilen will oder nicht: Wer sich dazu entschließt, ihn zu meiden, slackermäßig zu Hause bleibt und lieber noch ’ne Runde „Super Mario“ daddelt, wird eine der smartesten, knalligsten und spaßigsten Leinwandexplosionen des Jahres verpassen. Make your choice! 3… 2… 1… Continue?
Dieser Text erschien zuerst im OPAK Magazin.


