The Fighter

Um die Ringkämpfe der Box-Brüder Micky & Dicky – gespielt von Mark Wahlberg & Christian Bale, der vor allem versucht zu beweisen, dass (Schaupiel)Kunst von Können kommt – besonders ungestellt wirken zu lassen, heuerte Regisseur David O. Russell für seinen neuen Film ein Fernsehteam des TV-Senders HBO an. Denn diese filmten bereits damals die echten Kämpfe der echten Micky & Dicky.
Wäre das akkurate Zusammenpuzzeln angepappter Boxhistorie alles, was Russell interessiert hätte, wäre hier Schluss. Doch eigentlich geht es um etwas anderes. „The Fighter“ ist kein Boxfilm. Zu wenig Hinterzimmertheorie, zu wenig Sandsackphilosophie. Russell bedient sich der Bildmaterialität des Fernsehens und stülpt dessen Prä-LCD-Zeilenoptik in den Kampfszenen auf die Leinwand. Diese Blickübernahme dient gleichzeitig ihrer Entlarvung und analysiert die Bedeutung des Ringkämpfers als Stellvertreterfigur, lotet dessen Verbindung mit den Menschen vor den Empfangsgeräten aus – seien es Freunde, Feinde, beides (also Familie, die hier eine gewichtige Rolle spielt) oder die Welt. Sie alle wollen was vom Sportsmann. Der Kämpfer zieht aus, für sie seine Rübe hinzuhalten. Natürlich rein sportiv. Und so ist es unausweichlich, dass der ruhige Micky schließlich zwischen all diese Fronten gerät. Er ist das perfekte Instrument: unentschlossen, befangen, manipulierbar. Natürlich kann sein Weg nur einer sein. Und der ist sogar spannend.
Dieser Text erschien zuerst im OPAK Magazin #8.