"Die Legende der Wächter" handelt vor allem von der naturalistischen, anatomisch pseudo-korrekten Animation superflauschiger Eulen. Natürlich hochauflösend und in 3D. Allerdings muss jemand die Befürchtung gehabt haben, dass selbst die kulleraugigste Eule ihren Reiz verliert, bevor sie richtig flügge geworden ist. Anders ist das Überangebot an Plot in diesem Film, der eigentlich drei ist, nicht zu erklären.
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| Natureule |
Bei "Die Legende der Wächter" handelt es sich um die Verfilmung der ersten drei Teile der gleichnamigen Fantasy-Buchreihe, in deren Mittelpunkt die beiden jungen Eulen Soren und Kludd stehen. Der eine ist ein sensibler Träumer, der von den Erzählungen seines Vaters über die legendären Wächtereulen von Ga‘Hoole nicht genug bekommt. Der andere, sein eifersüchtiger, sich nach Anerkennung sehnender Bruder. Beide landen versehentlich bei dem dunklen Eulen-Klan der „Reinen“. Eine mit jeder Menge Nazisymbolik aufgeladene, kultische Vereinigung, die die Übernahme der gesamten Eulenwelt plant. Dafür machen sich deren Anführer niedere, „unreine“ Eulenarten zu gefügigen Zombies (hier heißt es „Mondblind“), wobei die „reinen“ Eulenkids zu ihren jungen Soldaten ausgebildet werden. Soren kann fliehen und reist mit einer Gruppe neuer Freunde zum Baum der Wächter. Kludd verrät seine Familie, bleibt bei den „Reinen“ und wird selbstverständlich von seinem Bruder besiegt werden müssen. Die Wächter repräsentieren im Gegensatz zu den „Reinen“ quasi die helle, demokratische Jedi-Seite der Macht und zusammen mit Soren und dessen Freunden fliegen sie einen großen Angriff auf die Festung des Feindes, um die Welt von dessen Terrorregime zu befreien.
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| Pixelgenaue Niedlichkeit |
Das sind natürlich Allgemeinplätze. Der Film hält sich so sklavisch an Campbells monomythische Heldenreise, wie es sonst eigentlich nur George Lucas wagt. Das ist auch der Grund dafür, dass man viele der Figurenkonstellationen und Wendungen auch aus eben dessen Star Wars-Universum zu kennen scheint. In dieser Hinsicht ist der Höhepunkt des Films sicherlich das entkörperlichte „Use your gizzard“, das der junge Padawan Soren von seinem Lehrmeister im Geiste zu hören glaubt und das ihn im Finale zur letzten Höchstleistung antreiben wird (vgl. auch: Star War Episode IV). Nun, das alles muss nicht schlecht sein. Als Zehnjähriger konnte ich mir nichts Besseres vorstellen! Auch die vielen Anleihen aus "Der Herr der Ringe", "Willow", etc. sind kein Problem. Problematisch ist vielmehr, dass der Film seine Einfallslosigkeit nicht mit Imagination beantwortet, sondern mit einem wahren Überangebot an Plot, der (Überraschung!) gut und gerne für eine Trilogie gereicht hätte.
Der Technokrat Zack Snyder interessierte sich dabei einmal mehr kaum für seine Figuren und ihre Motivationen. Er konzentriert sich ganz auf den Look: Seine superhochauflösenden Bilder versprühen dabei den Charme einer mit Airbrush gepimpten Motorhaube. Doch findet man sich einmal damit ab, darf sich das Auge an den allerfeinsten Texturen und Schattierungen entlangschauen, die im 3D-Animationskino bisher zu sehen waren. Dazu passen die Snydertypischen Superzeitlupen wie Helme auf Spartaner. Schaut her wie dieser Wassertropfen auf dem Federkleid zerplatzt! Alles Einzelberechnung! Ein Technikporno für Kinder, die keine mehr sind und der sich an den von Pixar etablierten Bildtypus der pixelgenauen Niedlichkeit hängt, ohne auch nur in einem Moment Fleisch zu werden. Es bleibt unheimlich leer hinter den supersüßen, kreisrunden Eulenaugen (und das hat diesmal nichts mit einem „uncanny valley“ zu tun). Dazu kommt eine der sensationell geschmacklosesten Musikeinlagen, die man seit Langem im Kino bestaunen durfte. Ein Fest für alle unsere Freunde, die es gerne campy mögen.
Der Technokrat Zack Snyder interessierte sich dabei einmal mehr kaum für seine Figuren und ihre Motivationen. Er konzentriert sich ganz auf den Look: Seine superhochauflösenden Bilder versprühen dabei den Charme einer mit Airbrush gepimpten Motorhaube. Doch findet man sich einmal damit ab, darf sich das Auge an den allerfeinsten Texturen und Schattierungen entlangschauen, die im 3D-Animationskino bisher zu sehen waren. Dazu passen die Snydertypischen Superzeitlupen wie Helme auf Spartaner. Schaut her wie dieser Wassertropfen auf dem Federkleid zerplatzt! Alles Einzelberechnung! Ein Technikporno für Kinder, die keine mehr sind und der sich an den von Pixar etablierten Bildtypus der pixelgenauen Niedlichkeit hängt, ohne auch nur in einem Moment Fleisch zu werden. Es bleibt unheimlich leer hinter den supersüßen, kreisrunden Eulenaugen (und das hat diesmal nichts mit einem „uncanny valley“ zu tun). Dazu kommt eine der sensationell geschmacklosesten Musikeinlagen, die man seit Langem im Kino bestaunen durfte. Ein Fest für alle unsere Freunde, die es gerne campy mögen.
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| Der Charme von Motorhauben |
Da dem Film wirklich jeglicher Sense-of-wonder abgeht, fallen die politischen Subtexte (Die Liberalen verhauen die Faschisten! - Nicht, dass dagegen etwas einzuwenden wäre!!) und ihre Grobschlächtigkeit umso unangenehmer ins Gewicht. Denn man wird das Gefühl nicht los, dass sich Gut und Böse in den wesentlichen Punkten nicht sonderlich unterscheidet. Die Guten haben hier einfach nur die bessere Propaganda. Denn der Film nimmt eine durchaus martialische Haltung ein, die sich bis in die tiefsten Strukturen seiner entmenschlichten Bilder eingeschrieben hat.
Das zeigt sich beispielsweise an der Figur des „Lyze of Kiel“, einem legendären Krieger der Wächter, der die Fantasie des kleinen Soren schon seit frühester Kindheit beflügelt. Als sie sich später begegnen, lernt Soren, dass am Krieg nichts Heldenhaftes oder Glorreiches zu finden ist, sondern dass man (als Soldat und Eulenkrieger) tut, was man tun muss, um seinen Baum (sein Land) zu verteidigen. In den Kampf zu ziehen wird zu einer höchst sinnhaften Betätigung für die Heranwachsenden und hinten rum eben doch mindestens nobel.
Das zeigt sich beispielsweise an der Figur des „Lyze of Kiel“, einem legendären Krieger der Wächter, der die Fantasie des kleinen Soren schon seit frühester Kindheit beflügelt. Als sie sich später begegnen, lernt Soren, dass am Krieg nichts Heldenhaftes oder Glorreiches zu finden ist, sondern dass man (als Soldat und Eulenkrieger) tut, was man tun muss, um seinen Baum (sein Land) zu verteidigen. In den Kampf zu ziehen wird zu einer höchst sinnhaften Betätigung für die Heranwachsenden und hinten rum eben doch mindestens nobel.
Nor law, nor duty bade me fight,
Nor public men, nor cheering crowds,
A lonely impulse of delight
Drove to this tumult in the clouds;
I balanced all, brought all to mind,
The years to come seemed waste of breath,
A waste of breath the years behind
In balance with this life, this death.
heißt es bei Yeats’ Vorhersehungen eines irischen Pilotens. Das Einzige, was den in den Krieg zog, war die Freude am Fliegen. Von dessen Freude hätte man auch bei "Die Legende der Wächter", der für Kinder eh zu düster geraten ist, gerne mehr gesehen.
Dieser Text erschien zuerst im OPAK Magazin (online).


