Ein Xenomorph in Disneyland

Vor kurzem wurde der erste Trailer zu Ridley Scotts neuem Science-Fiction-Film „Prometheus“ veröffentlicht. Auf die Frage, in welchem Zusammenhang der Film mit der „Alien“-Reihe stehe, gab Scott halb-kryptische Aussagen a la „ca. 5% Alien“, „man wird die DNA des Films erkennen können“. Der Trailer gibt etwas mehr Preis und ist gleichzeitig Gelegenheit, noch einmal auf das „Alien“-Franchise zu blicken - diesem unebenen und vielgliedrigen Konvolut, dessen dunkler Fixstern und eigentlich einziger vollkommene Part der kleine „Alien“ von 1979 ist. 

In seinem fesselnden Minimalismus ist „Alien“ natürlich – keine Neuigkeit hier – auf mehreren Ebenen Carpenters „Halloween“ nicht unähnlich. Nur befinden wir uns eben an Bord der NOSTROMUS, zusammen mit (noch) namenloser, aber körpergewordener Furcht. Das schleimtriefende Andere mit den zwei Mündern. Für dessen Formen war ja – wie nun auch jeder weiß – der junge H.R. Giger verantwortlich. Der Clou ist, dass dessen sonst etwas fadenscheiniger Kunstwille in den Bildern dieses Films, in denen die Menschen Gigers Oberflächen durchdringen, sie begehen und sich wundern, ja eigentlich zerstören, dass seine Kunst hier tatsächlich einmal zum Scheinen kommt. Da kann man sich täglich zwei Monate vor seine Skulpturen und all den Hokuspokus stellen – völlig zwecklos: erst in ihrer Auflösung durch Kameraeinstellungen, durch Schnitt und Erzählbarmachung geht auf, was sonst den Arsch nicht hochkriegt. Das, oder eine Kaffeetasse im Sinne Stendhals könnte es auch tun.

Im zweiten Teil greift James Cameron eine Menge auf, übersetzt den Bilderfundus jedoch in seine typisch technokratische Denke – folgerichtig sind bei ihm die Aliens quasi das „Mecha“ aus „Biomechanoiden“. Der Film beginnt mit Zeichen, die wir von Bildern aus Autofabriken kennen und endet mit einer Heldin, die massive mechanische Körperextensionen zur Hilfe nehmen muss, um die dampfbetriebene Überalienmutter besiegen zu können. Spätestens mit der wirklich dunkel-düsteren Umdeutung wie sie David Fincher im dritten Teil vornimmt, kann einem Aufgehen, dass ein insgesamt eigentlich völlig ungerichtetes mythologisches Anreichern – in diesem Fall vor allem natürlich der Wesenszüge des Xenomorphen, aber nicht nur – dann letzten Endes doch spannender ist, als das verkrampfte Bemühen nach Kontinuität und Geschlossenheit wie es, na, zum Beispiel bei den Bürokraten vom Star Wars-Universum gepflegt wird. Joss Whedon war dann auch der Erste, der uns im vierten Teil überhaupt mal ein größeres Bruchstück der Welt erschreiben sollte, in der wir uns nun schon seit drei Filmen aufgehalten hatten: Wir sehen, wie sophisticated Menschen in der Zukunft essen oder auch Türen aufmachen – Konstruktion von Welt eben. Und dank der Durchlässigkeit der Alien-Mythologie ein Freifahrtschein für jede Menge Whedonismen und Jean-Pierre-Jeunetterie.

Und nun also Ridley Scott himself again? Gut oder schlecht? Er sagt, da der Xenomorph mittlerweile in Disneyland gelandet sei, würde ihn das für alle weiteren Auftritte in einem düsteren Film Marke Scott disqualifizieren – das stimmt einen doch hoffnungsvoll! Und der Fundus ist ja auch ohne Alien reichhaltig. Laut Trailer gibt es noch:

... den Space Jockey! (bekannt aus „Alien“ (1979))     

... Alien-Eier (bekannt aus „Alien“ (1979))


... Facehugger (bekannt aus „Alien“ (1979))

... Noomie Rapace als Sigourney Weaver (bekannt aus „Alien“ (1979))

... Idris Elba als Yaphet Kotto (bekannt aus „Alien“ (1979))

... Michael Fassbender als Ian Holm (bekannt aus „Alien“ (1979))

... ein Wiedersehen mit LV-426! (bekannt aus „Alien“ (1979))

Laut Synopsis geht es um ein Team von Wissenschaftlern, die auf einem fremden Planeten eine so außerirdische wie feindselige Spezies entdeckt... Hoppla. Auch bekannt aus „Alien“ (1979).

Aber wie heißt es so schön am Anfang des Trailers?  

"You don't understand,
I was wrong!
We were so wrong!
I’m so sorry!"

Well, I hope so.

Der Text erschien im März 2012 beim Affekt-Blog.